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| Christian Morgenstern: Sein Weg mit Rudolf Steiner
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Der intimste Freund
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Christian Morgenstern: Sein Weg mit Rudolf Steiner (Gebundene Ausgabe) Christian Morgensterns Weg mit Rudolf Steiner, so hat ihn noch niemand beschrieben, so hautnah, so mitreißend, ergreifend, ja zu Tränen rührend - einzig und allein Peter Selg kann so schreiben, so fesselnd und zugleich selbstlos, und er wird der großen Aufgabe vollkommen gerecht: die einmalige Geistesfreundschaft Christian Morgensterns mit dem Menschheitslehrer unseres Zeitalters, mit Rudolf Steiner, ihm hat der Autor seine beinahe 400 Seiten umfassende Biographie gewidmet. Und er schwingt sich hier zu einer Höhe auf, die nicht nur durch die Größe der beiden Seelenfreunde bestimmt ist, nein, sie ist durch und durch die Leistung eines Autors, der mit dieser Biographie, jedenfalls in meinen Augen, sein bisher größtes biographisches Meisterstück veröffentlicht hat, dank des Verlages in einer adäquaten und außerordentlich würdigen Ausstattung. In drei großen Kapiteln schildert Peter Selg den Weg Christian Morgensterns, zunächst als Vorbereitung auf die Lebenswende (1871-1909), dann mit Rudolf Steiner (1909-1914) und schließlich, und hier steigert sich die Biographie zu bisher ungeahnter Höhe, als den nachtodlichen Weg der beiden Freunde. Die wichtigsten Lebensbeziehungen werden dramatisch entfaltet: die enge Beziehung zum Jugend- und Lebensfreund Friedrich Kayssler, die nach der Begegnung mit Rudolf Steiner auf eine beinahe unerträgliche Zerreisprobe gestellt wird; die Freundschaft und Liebe zu seiner Seelenfreundin und späteren Ehefrau Margareta; die Begegnung mit dem Geistesbruder Michael Bauer; die geistige Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsche - alle diese Beziehungen umranken das eine, zentrale Lebensmotiv, das 1909 in Christian Morgensterns Leben aufgeht: Rudolf Steiner. Aber diese Beziehung war, und das wird in Peter Selgs Schilderungen besonders deutlich, nicht die einseitige Verehrung eines Schülers seinem Meister gegenüber, sondern es war und blieb über den Tod hinaus die wohl innigste und intimste Freundschaft dieser beiden Geistesgrößen. Ihre Begegnung umfasste ja äußerlich nur jeweils wenige Tage, sofern es Christian Morgenstern, aufgrund seiner ab 1909 immer bedrohlicher werdenden Tuberkolose-Erkrankung möglich war, an den Kursen Dr. Steiners teilzunehmen. Aber sie verlief deshalb umso intensiver, was besonders im Jahr 1909 deutlich hervortritt. Hier ist es Morgenstern trotz angespanntester gesundheitlicher Lage möglich, gleich an fünf großen Zyklen Rudolf Steiners teilzunehmen: zunächst am Düsseldorfer Hierarchienzyklus, dann am Apokalypse-Zyklus in Christiania, danach in Budapest im Ringen um das Wesen Christi, was dann in Kassel mit dem Johannesevangeliumszyklus und in München mit dem Orient-Okzident-Zyklus ungeahnte esoterische Tiefen für Morgensterns Seele mit sich bringt. Nicht nur wird er in Kassel sein esoterischer Schüler, er begleitet Rudolf Steiner geistig im Kampf um die Ausrichtung der theosophischen Arbeit im rosenkreuzerisch-christlichen Sinne. Dramatischer Höhepunkt aber sind dann die letzten eineinhalb Jahre vom Herbst 1912 bis zur Jahreswende 1913/1914, die in der ergreifenden Abschiedsszene am 31.12.1913 während des Leiptiger Gralszyklus ihren äußeren Abschluss finden. Für beide beginnt aber damit der Weg über die Schwelle, denn nach Morgensterns Tod am 31.3. 1914 wird auch für Rudolf Steiner die volle geistige Größe der Individualität Christian Morgensterns erst wirklich erfassbar. Die zahlreichen Hinweise Rudolf Steiners 1914/15 auf den Geistesfreund machen das in einmaliger Weise deutlich, und wohl nie zuvor ist die biographische Beziehung Rudolf Steiners zu einem verstorbenen Freund so intim und ergreifend beschrieben worden wie in diesem Buch Peter Selgs. Mit ungeheuerlicher Akribie hat er das biographische Dokumentierbare zusammengetragen, mit traumwandlerischer Sicherheit hat er das jeweils Passende zitiert, zusammengefasst und für den Leser neu erschlossen. In andächtigem und ebenso selbstlosem Ton lässt er das gewaltige Gemälde erstehen. Und er beschränkt sich dabei bewusst auf das Diesmalige, mit keiner Zeile lässt er sich zu Andeutungen im Hinblick auf karmisch Vergangenes hinreißen. Und gerade dadurch wird das Unfassbare möglich: der Goldgrund des Gemäldes wird für denjenigen Leser, der sich dafür empfänglich zeigt, durchsichtig - durchsichtig für einen karmischen Hintergrund, der die eigentliche Dimension des Kampfes, den Rudolf Steiner im Ringen um den Weg von Buddha zu Christus in jenen Jahren durchzukämpfen hatte und den er in grandioser Weise für die Anthroposophie entscheiden konnte, erstmalig wirklich erahnbar werden lässt. Christian Morgenstern war Rudolf Steiner der wichtigste Bruder auf diesem Weg hin zum Christusprinzip, der dann 1913 in den Schilderungen des Fünften Evangeliums mündete. Ohne Christian Morgensterns Opferbereitschaft, seine innere, stärkende Begleitung, so lässt es Peter Selgs Schilderung jedenfalls erahnen, wären diese Forschungsergebnisse im Ringen um die wahre Erkenntnis des Christus-Jesus vielleicht nie möglich gewesen. So schreibt Morgenstern noch während seines Aufenthaltes in Kristiania an Margareta, dass er trotz widrigster gesundheitlicher Umstände Dr. Steiner vom hohen Norden bis nach Budapest folgen werde, weil ihm klar wurde, dass ich ihm in Budapest in gewisser Weise von Wert sein könnte, weil man sich dort manches Kleinliche und Widrige erwartet." Dieses trat dann in Annie Besants Verkündigung einer neuen irdischen Christuserscheinung in dem Hinduknaben Krishnamurti auf die Bühne. Am 31. Mai 1909 hielten Rudolf Steiner und Annie Besant zwei gegeneinander gerichtete Vorträge: Rudolf Steiner über Von Buddha zu Christus", Annie Besant über The Christ, who is he?" Morgensterns Anwesenheit war hier und von da an von kampfesentscheidender Bedeutung - und dafür bedankte sich der Geisteslehrer bei seinem Freund in tief berührender Weise, etwa durch die Rezitationen seiner Gedichte in zwei seiner Vorträge in Morgensterns Gegenwart Ende 1912 in Stuttgart und 1913 in Leipzig. Andrej Belyj schrieb über seine einzige Begegnung mit Christian Morgenstern in Leipzig 1913: ... sein Lächeln strahlte mir entgegen, er deutete auf seinen Hals, er konnte nicht mehr sprechen ... wir standen uns gegenüber, lächelten und drückten einander sie Hand ... aber wir beide - er und ich - standen gerade in jenen Tagen Auf dem Berg", beide in gleicher Weise vom Zyklus Christus und die geistige Welt" emporgetragen ... er strömte eine Kraft aus, vor der die Kraft eines gewöhnliche Okkultisten ein Nichts ist. Die Kraft des Christus-Impulses durchdrang mich wie ein Windstoß, fuhr durch Mark und Bein. Und als der Doktor später von dieser Kraft in Morgenstern sprach, die ihn nach dem Tode zum unsichtbaren Helfer" mache, wunderte ich mich nicht ..." (S. 265 f.). All dieses beschrieben und erstmals nacherlebbar gemacht zu haben, verdanken wir dieser großartigen Biographie Peter Selgs, die den Leser ganz in die Nähe zweier großer Individualitäten zu bringen vermag: Eines der heute selten gewordenen wirklich großen Buchereignisse auf dem anthroposophischen Felde.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 8. November 2010 | | |
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