luzider und klarer Ravel
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: L'Enfant et les Sortileges (Audio CD) Als Sir Simon Rattle zum Chef der Berliner Philharmoniker berufen wurde, gab er das Versprechen das Repertoire dieses absoluten Ausnahmeorchesters stetig zu erweitern ohne die Traditionspflege zu vernachlässigen. Die im Moment noch andauernde Spielzeit 2008/2009 kann dafür exemplarisch herhalten. Zum ersten Mal führten die Philharmoniker unter Rattle das Urgestein des philharmonischen Repertoires komplett auf: der brahmssche Viertausender. Die Aufnahme, die im Rahmen dieser Konzerte eingespielt wurde, soll noch im Frühling dieses Jahres veröffentlicht werden. Auf der anderen Seite machte Rattle bei den Berlinern französiche Musik zum wesentlichen Bestandteil ihres Spielplans, mit Messiaen und auch mit Ravel. Wenn das im Vergleich mit Brahms kein Kontrastprogramm ist: auf der einen Seite der ernste, (über-)gewichtige, deutsche Vollblüter, auf der anderen Seite die leichte, transparente, seidige Spielwiese.
Während man den Medien mit einigem Humor dabei zusehen kann, wie sie Rattles Leistungen bei Brahms heftig diskutieren, wie nun und ob überhaupt der "deutsche Klang" unter Rattle abhanden gekommen ist, bleibt Simons fabelhafter Ravel über alle Zweifel erhaben. Wie die Berliner Philharmoniker unter Rattle in die Kinderwelt von "Ma mère l'Oye" entführen, mit den feinsten, umwerfend schönen und ungemein luziden Klängen nur so um sich werfen und dabei die ganze Dramaturgie in Ravels ursprünglich als vierhändiges Klavierstück erdachten Werken entfalten: da gibt es nichts zu meckern und zu kritisieren. Dem stehen auch die "L'enfants et les Sortilèges" in nichts nach. Rattle war in der Lage auf ein vorzügliches Sängerteam nebst bewährtem Rundfunkchor zurückzugreifen. Bis auf Kozena, die etwas zu brav wirkt und von welcher man sich vielleicht etwas mehr Aggressivität hätte wünschen können, erfüllen alle ihre Rollen blendend.
Schon zweimal wurden die Berliner Philharmoniker unter Rattle mit dem Grammy ausgezeichnet für herausragende Chormusik, darunter auch das Brahms-Requiem. Es würde mich nicht allzu sehr wundern, wenn für diese vorzügliche Aufnahme die nächste Nominierung und Auszeichnung folgen würde. Die Berliner sind nicht nur das beste Brahms-Orchester der Welt. Sie outen sich hiermit auch als absolute Profis und Fachleute im Fach französischer Impressionismus.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 17. März 2009
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